Carlos Saura: Spaniens Gesellschaft im Spiegel des Films

[Kultur und Reisen]

Ein Beitrag von Angela Bünger


Sein Frühwerk ist geprägt vom Neorealismus, später ließ er sich von der surrealistischen Bildsprache eines Luis Buñuel inspirieren: Carlos Saura, dessen Filme teils autobiografische Züge trugen, schaffte es dabei immer wieder, der zerrissenen spanischen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten.


Quelle: YouTube


Entsprechend schwierig war es für den 1932 in Huesca in Aragonien geborenen Regisseur daher, der Zensur des Franco-Regimes zu entkommen. Und während seine Werke auf den internationalen Filmfestivals dieser Welt vielbeachtet wurden, waren sie in seiner Heimat lange Zeit nahezu unbekannt. Besonders die Berlinale war in den späten 60er, 70er und frühen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ein gutes Pflaster für Saura: So gewann er unter anderem zweimal den Silbernen Bären: 1966 für „Die Jagd“ (original „La caza“), 1968 für „Peppermint Frappé“. 1981 folgte der Goldene Bär für „Los, Tempo“ (original „Deprisa, deprisa“. Doch erst seine späteren Filme, die auf eindrucksvolle Weise Musik und Tanz mit grandioser Bildsprache verbanden, machten ihn einem internationalen Publikum bekannt: „Carmen“ (1983), das zweite Werk einer gemeinsam mit dem Tänzer Antonio Gades und dem Produzenten Emiliano Piedra entstandenen Musik-und Ballettfilmtrilogie war unter anderem für den Oscar, den Golden Globe und den französischen Filmpreis César nominiert.


Musik und Tanz spielen auch in vielen weiteren Filmen aus Sauras späterem Werk die Hauptrolle. So folgten etwa „Sevillanas“ (1991) „Flamenco“ (1995), „Tango“ (1998), „Iberias“ (2005) und „Fados“ (2007) den modernen Spuren der jeweiligen Musik- und Tanzstile. 2016 realisierte Saura dann schließlich mit „Jota - mehr als Flamenco“ einen Film über einen der prägendsten spanischen Volkstänze. Und auch wenn er in seinen Tanzfilmen der Gesellschaft nur indirekt den Spiegel vorhält, Spiegel spielen in der Inszenierung Sauras eine bedeutende Rolle: Sie lassen die Tänzer und Musiker auf der Bühne gleich doppelt oder dreifach erscheinen und in ein Spiel mit Farben und Texturen eintauchen. So entsteht eine surrealistische, einmalige Bildsprache, die den Betrachter Raum und Zeit vergessen lässt.-

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