Sprachen lernen per App

Sprachlern-Apps gibt es inzwischen wie Sand am Meer, sowohl als kostenloses Angebot als auch in der Bezahlvariante. Doch wie nützlich ist das Lernen einer Sprache per App eigentlich und wie finde ich die für mich geeignete App heraus?





Ob für das berufliche Fortkommen, in Vorbereitung auf den nächsten Urlaub oder einfach um den persönlichen Horizont zu erweitern: Eine neue Sprache zu lernen oder bereits vorhandene Kenntnisse wieder aufzufrischen, steht bei vielen auf der persönlichen To-Do-Liste. Doch wer hat schon die Zeit, sich neben dem fordernden Alltag mehrere Stunden pro Woche für einen Sprachkurs und begleitende Hausaufgaben zu reservieren? Noch schwerwiegender ist es, wenn bereits vorhandene (schlechte) Erfahrungen mit Sprachkursen vorhanden sind, bei denen Kurs oder Lehrer überhaupt nicht dem eigenen Lerntypus entsprachen.


Abhilfe versprechen seit einigen Jahren Sprachlern-Apps. Sie sollen individuelles Sprachenlernen nach dem eigenen Rhythmus und in beliebigen Zeitabschnitten ermöglichen, quasi „zwischendurch“ und „im Vorbeigehen“. So könnte in der Theorie die Schlange an der Supermarktkasse, die Wartezeit beim Zahnarzt oder die Fahrt zur Arbeit sinnvoll für eine kleine Lerneinheit genutzt werden.

Sprachlern-Apps: Lernziele vor der Installation festlegen

Also einfach die nächstbeste Sprachlern-App auf dem Smartphone oder Tablet installieren und schon kann es mit dem Sprachenlernen losgehen – oder? Ganz so einfach ist es dann doch nicht, zumindest nicht, wenn man es mit dem Sprachenlernen halbwegs ernst nimmt. Denn zunächst müssen die Lernziele definiert werden, sprich, wofür benötige ich die Sprache eigentlich?


Soll eine Sprache beruflich genutzt werden, dann lohnt sich ein Blick auf die professionellen Bezahlvarianten diverser Anbieter. Vielleicht gibt es dort auch schon einen Kurs, der besonders auf berufliche Sprachsituationen eingeht. Will man nur für den nächsten Urlaub ein paar Brocken Basiswissen erlangen, reicht eventuell ein kostenloses Angebot aus. Auch wer das Sprachenlernen per App nur ergänzend zu einem anderen Kursangebot nutzt, sollte bei den Apps genau hinschauen. Denn er benötigt unter Umständen keinen vollständigen Kurs, sondern Übungen, die den Wortschatz erweitern oder grammatikalische Besonderheiten näher beleuchten.

Kaum Apps für fortgeschrittene Sprachkenntnisse

Ein weiterer wichtiger Punkt sind eventuelle Vorkenntnisse. Gerade weiter fortgeschrittene Lerner stehen hier oft vor dem Problem, dass ihr Niveau gar nicht angeboten wird oder das Angebot sehr beschränkt ist. Die meisten Apps gehen bis zum Niveau B1 des Europäischen Referenzrahmens, das heißt ungefähr bis zur unteren Mittelstufe. Einige Anbieter haben für wenige Sprachen Kursangebote bis zu den Stufen B2 und C1, einen Bereich, der der „selbständigen Sprachverwendung“ zuzuordnen ist und weit fortgeschrittene Sprachkenntnisse auszeichnet. Wer das Niveau C1 erreicht und überschritten hat und eine Perfektionierung seiner Kenntnisse auf nahezu muttersprachlichem Niveau wünscht, der guckt bei den meisten Apps sowieso in die Röhre und muss sich nach anderen Lernalternativen umsehen.


Weiterhin sollten sich Lernende vor der Auswahl einer App mit ihrem eigenen Lerntypus vertraut machen. Obwohl nahezu alle Sprachkurse auf einen multimedialen Übungs-Mix setzen, der die vier Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen trainiert, gibt es gravierende Unterschiede. Wer also weiß, dass er am besten durch Video und Audio lernt, sollte ein Angebot wählen, das eben diesen Schwerpunkt setzt.

Sprachenlernen: Ohne Interaktion mit Menschen geht es nicht

Doch egal wie gut die Sprachlern-App ausgesucht wurde, so ganz ohne zwischenmenschliche Kommunikation geht es dann doch nicht mit dem Spracherwerb. Denn um richtig in eine Sprache eintauchen zu können, muss man sie anwenden. Auch hier hilft die digitale Technik weiter: Ob Tandem-Lernpartner aus dem Land der Zielsprache oder ergänzende Unterrichtsstunden mit Lehrer via Videokonferenz oder Live Chat – heutigen Sprachenlernern stehen nahezu alle Möglichkeiten offen, Sprachen bequem von zuhause aus zu erlernen.

(Bild: Gerd Altmann, Pixabay)

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