WOFs Lesestunde (1): "Du sollst nicht funktionieren"

1. September 2020. Vieles ist bereits über Ariadne von Schirach und ihre Bücher geschrieben worden, aber ich werde nicht der Versuchung unterliegen und allzusehr über diese Autorin und ihre Werke recherchieren, bevor ich nicht “Du sollst nicht funktionieren - Für eine neue Lebenskunst” gelesen habe. Ein Buch sollte doch zunächst einmal aus sich selbst sprechen dürfen, damit sich seine Botschaft möglichst unverstellt dem eigenen Denken und Fühlen darbieten kann.



Und so beginne ich unverzüglich mit der Lektüre und schlage das Buch auf. Erschienen ist es 2014 im Tropen Verlag. 185 gut lesbare Seiten, 5 Kapitel, ein Literaturverzeichnis mit bekannten, aber auch mir unbekannten Quellen, später mehr dazu.



Ariadne von Schirach, ich bin so frei und nenne sie in der Folge nur mit ihrem Vornamen -, Ariadne also, widmet das Buch ihrem Vater, dem Schriftsteller Richard von Schirach. Die Schirachs bilden inzwischen ja eine Art Schriftstellerdynastie, was ganz bestimmt seine Gründe hat.


Dann kommt das Motto: “Thus we cover the universe with drawings we have lived”. Auf deutsch etwa so übersetzbar: “So bedecken wir das Universum mit Bildern oder Mustern, die wir gelebt haben.” Das Zitat stammt von Gaston Bachelard, einem französischen Philosophen. Kenne ich nicht, was schon mal gut ist, denn man liest ja nicht, um das eigene Weltbild zu bestätigen, sondern, um es mit neuen Einsichten oder Facetten zu ergänzen, oder sogar in Frage zu stellen. Gaston Bachelard jedenfalls, so entnehme ich es Wikipedia, hat sein Denken immer entlang der Borderline von Poesie und Wissenschaft geschärft.


Fünf Kapitel folgen: Der Stresskörper, Schöpferische Geschöpfe, Das bewohnte und unbewohnte Ich, Neigung oder Nützlichkeit und schließlich, Als ob wir es nicht wüssten. Es könnte gut sein, dass die Kapitelüberschriften bereits etwas über Ariadnes Denkweise verraten: Denn sie ähneln in ihrer Formulierung den Koans, die Standpunkte zusammenbringen, die sich eigentlich ausschließen. Der Zen-Buddhismus bedient sich ja solcher mentalen Übungen, um verkrustete Denkmechanismen aufzubrechen.


Jeder Kapitelüberschrift hat Ariadne einen vorausschauenden Untertitel beigefügt, im letzten Kapitel spricht sie dann von der “poetischen Revolution” - was nun wirklich endgültig neugierig macht und vielleicht auch wieder auf das Eingangszitat von Gaston Bachelard verweist. Was also könnte eine “poetische Revolution” mit einer Lebenskunst zu tun haben, die immerhin für sich beansprucht, neu zu sein?


Es folgt Ariadnes Vorwort. Entgegen meiner sonstigen (schlechten) Gepflogenheit Vorwörter nur zu überfliegen oder gar nicht zu lesen, lese ich dieses Vorwort sehr konzentriert, einmal, zweimal, dreimal und werde in der nächsten Lesestunde (2) >> darüber erzählen.

Bildquelle: Wikipedia: (c) Rahel Taeubert - CC BY-SA 4.0



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